Von wegen Fitness: Die „Zuckerbombe” wird schnell verbrannt und macht danach erst richtig hungrig

Fitness- und Light-Produkte: Vorsicht Mogelpackungen

Fitness- und Light-Produkte machen sich in den Regalen der Discounter breit. Aber wie fit sind die Produkte? Jüngste Untersuchungen von foodwatch belegen: die Werbung hält nicht was sie verspricht. Es gibt immer mehr Mogelpackungen.

foodwatch entlarvt verbraucherfeindliche Praktiken der Lebensmittelindustrie und kämpft für das Recht der Verbraucher auf sicheres und gutes Essen. Vor allem bei den so genannten Fitness- und Light-Produkten herrscht große Verunsicherung. Rank, schlank und glücklich sollen sie machen, tatsächlich liegen viele schwer im Magen, selbst wenn die verheißungsvollen Versprechen Fitness und Gesundheit vermitteln und zu falscher Sorglosigkeit verleiten sollen.

Von wegen Fitness: Die „Zuckerbombe” wird schnell verbrannt und macht danach erst richtig hungrig

Von wegen Fitness: Die „Zuckerbombe” wird schnell
verbrannt und macht danach erst richtig hungrig

Mit einer verpflichtenden Ampelkennzeichnung könnten Verbraucher als fettarm beworbene Zuckerbomben auf einen Blick durchschauen. Darum macht die Lebensmittelindustrie massiv Lobbyarbeit gegen die Ampelkennzeichnung. foodwatch setzt sich dafür ein und hat Light-, Fitness- und Kinder-Produkte exemplarisch mit der Ampel versehen. Ausgewählt wurden Produkte derjenigen Hersteller, die mit einer eigenen Initiative gegen die Ampelkennzeichnung kämpfen. Im Auftrag der Lebensmittelkonzerne macht eine eigens engagierte PR-Agentur unter dem Titel „Ausgezeichnet informiert”, Werbung für die industrieeigene GDA-Kennzeichnung (Richtlinie für den täglichen Bedarf). Mitglieder der Initiative sind unter anderem Coca-Cola, Danone, Kellogg‘s, Nestlé, PepsiCo und Unilever. Mit Zahlen- und Prozentangaben wird der Nährwert angegeben. Diese Zahlen bieten nun alle Möglichkeiten, den Kunden wahrheitsgemäß zu informieren und ihn dabei aber doch für dumm zu verkaufen.

Der Trick mit dem täglichen Bedarf

Der „tägliche Bedarf“ wird auch für Kinder-Produkte am Kalorienbedarf für eine erwachsene Frau angesetzt (2000 kcal). Bezogen auf den täglichen Kalorienbedarf von Kleinkindern wären die Prozentangaben beispielsweise bei Fruchtzwergen von Danone natürlich viel höher, das heißt man dürfte weniger davon essen.

Der Trick mit der Portionsgröße

Die GDA-Angaben beziehen sich auf eine Portion, deren Größe der Hersteller selbst wählt. Je kleiner die Portion, desto kleiner wird natürlich die Prozentangabe und damit der Anteil an der  empfohlenen Verzehrsmenge pro Tag. Aber mal ehrlich, wer stellt die Chips zurück in den Schrank, wenn er 30 Gramm gegessen hat und weitere 170 Gramm in der Tüte sind? Unterschiedliche Portionsgrößen machen es zudem sehr schwer, Produkte miteinander zu vergleichen. Der Kunde müsste, wenn er die unterschiedlichen Bezugsgrößen überhaupt bemerkt, die enthaltenen Mengen an Fett, Zucker und Salz erst umrechnen. Dadurch können Verbraucher keine Vergleiche anstellen, Hersteller ihre Produkte aber durch unrealistisch kleine Portionen schönrechnen.

Der Trick mit dem „Richtwert”

Der Richtwert, auf dem die GDA-Angaben beruhen, ist vom Europäischen Verband der Lebensmittelindustrie (CIAA) selbst festgesetzt worden. Insbesondere der Richtwert für Zucker ist dabei wissenschaftlich umstritten. „Es entsteht der Eindruck, dass bei Zucker eine „günstige” (willkürliche) Berechnung gewählt wurde”, urteilt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung über den Zucker-Referenzwert der CIAA. Diese Informationspolitik erklärt dann auch, wie es zu folgenden Aussagen von Fitness-Produkten kommen kann: „Ein leichter Genuss für Ihre Linie und wertvoller Beitrag für eine ausgewogene Ernährung“, ist auf der Website von eines Lebnsmittelkonzerns zu lesen. Wenn man bedenkt, dass das so beworbene Produkt, Fitness Fruits, 35,3 Gramm Zucker pro 100  Gramm enthält, stellt sich die Frage, wann für den Hersteller dieser Produkte der Verzehr von Zucker überhaupt gesundheitsgefährdend sein soll. Fakt ist: Die Zusammensetzung von Fitness Fruits macht dick aber nicht fit. Egal, wie oft „gesund“, „leicht“ und „ausgewogen“ auf der Packung steht.

Vergleichende Auszeichnung

Den besten Eindruck erhält man, wenn wir die bereits erwähnten Fitness Fruits mit der Ampel und der GDA-Kennzeichnung gegenüber stellen. Die Ampelangaben beziehen sich immer auf eine bekannte Referenzmenge von 100 Gramm oder 100 ml. Die GDA Kennzeichnung berechnet die Werte anhand einer frei gewählten und unrealistischen Größe, in diesem Fall eine Portion von 40 Gramm. Die Ampel zeigt sofort, dass das Produkt wenig Fett und wenig gesättigte Fette enthält. Grün. Dafür steckt aber viel Zucker und reichlich Salz in der Packung. Ohne umzurechnen erkennt man sofort, dass auf 100 Gramm bereits 35,5 Gramm Zucker entfallen! Mit den GDA-Angaben wird der Verbraucher in himmelblauer Sicherheit gewogen. Mit einer „Portion” hätte er gerade mal 16 Prozent des Tagesbedarfs an Zucker und lediglich 7 Prozent der empfohlenen Kalorienmenge. Liest sich gut, macht aber mit Sicherheit nicht satt.

Weiterführende Informationen zu foodwatch und zur Ampel finden Sie im Internet.
www.foodwatch.de

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.