Feinstaub

Unsichtbar & hochgefährlich: Fein[d]staub

Feinstaub – ein gängiger Begriff, über den regelmäßig in den Medien gesprochen wird

Und gleichzeitig eine nebulöse Substanz, die kaum jemand richtig zuordnen kann. Was genau ist Feinstaub eigentlich? Wo werden wir damit konfrontiert? Wie gefährlich ist er wirklich? Fragen, mit denen sich die im Juni 2012 erschienene MIRA-Studie aus Belgien befasste.

An was denken Sie, wenn Sie das Wort Feinstaub hören? Vielleicht an die Luftverschmutzung in China? An LKW-Kolonnen auf der Autobahn, an stinkende Abgase in Großstädten oder an die Autoplakette, die Sie sich demnächst kaufen müssen? Bestimmt ist Ihnen jetzt das ein oder andere Bild in den Sinn gekommen…

Wie hoch, wie gefährlich und wie kostenintensiv das allgegenwärtige Feinstaubproblem tatsächlich ist, belegt eine aktuelle Studie aus Flandern. Die MIRA-Studie, in Auftrag gegeben vom Flämischen Umweltministerium, untersuchte diverse Umweltfaktoren, die zur Luftverschmutzung beitragen.

DAS DEUTSCHE UMWELTBUNDESAMT SCHREIBT AUF SEINER HOMEPAGE:
„Feinstäube in unserer Atemluft sind diejenigen Luftverunreinigungen, die die größte Auswirkung auf unsere Gesundheit haben. Untersuchungen der  Weltgesundheitsorganisation zeigen, dass mit Feinstaub belastete Luft die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland um etwa zehn Monate verkürzt.“
Gefahr in Innenräumen: Ultrafeine Partikel, gelangen über die Lungenbläschen hindurch bis in die Blutbahn, in alle Organe und sogar bis ins Gehirn.

Gefahr in Innenräumen: Ultrafeine Partikel, gelangen über die Lungenbläschen hindurch bis in die Blutbahn, in alle Organe und sogar bis ins Gehirn.

Dabei wurden 18 Ursachen bzw. Stoffe und Stoffgruppen, die die Volksgesundheit beeinträchtigen, bewertet. Neben Dioxinen, Schwermetallbelastungen, Hitze, Lärm  oder elektromagnetischen Feldern wurde auch Feinstaub in die Untersuchung einbezogen. Die untersuchten Staubfraktionen waren PM10 und PM2,5. (PM steht für „particulate matter“ und bedeutet schwebende Staubteilchen, die Zahl dahinter gibt die obere Grenze der Partikelgröße in Mikrometer an). Das erschreckende Ergebnis: 75 % aller negativen Effekte bzw. Folgen aus den 18 untersuchten Schadstoffquellen werden allein dem Feinstaub zugeschrieben! Die Belastungen äußern sich in kurz- oder langfristigen  Gesundheitsbeeinträchtigungen, die von geistiger Trägheit und Kraftlosigkeit über chronische Bronchitis bis zum verfrühten (Kinds)Tod führen können. Die hohe Feinstaubbelastung vermindert nicht nur die Lebensfreude – sie wird auch noch mit kostbarer Lebenszeit bezahlt! Die Auswirkungen schlagen zudem finanziell teuer zu Buche. In Flandern entsprechen die durch Feinstaub  entstehenden, rein gesundheitsbezogenen externen Kosten 3,6 % vom Bruttoinlandsprodukt – und damit ziemlich exakt dem gesamten Flämischen Haushaltsdefizit.

Im Außenbereich gibt es feste Höchstgrenzen für Feinstaubwerte. Nach der gültigen europäischen Luftqualitätsrichtlinie existiert in Deutschland eine gesetzliche Konzentrationsobergrenze für PM2,5 von 25 μg/m³ im Jahresmittel. Das ist über doppelt so hoch wie die Empfehlung der WHO! Zudem muss dieser Grenzwert erst ab 2015  eingehalten werden. Für Innenräume gibt es jedoch nur Leitwerte – und keiner weiß, wie sie überhaupt eingehalten werden können.

Um den Feinstaub in gewerblichen Innenräumen zu reduzieren, gibt es diverse Lüfter und Filtersysteme. Doch auch diese sind kaum in der Lage, die allerfeinsten und damit gefährlichsten Partikel unterhalb der Größenordnung PM2,5 zu entfernen. In Privaträumen kommen solche professionellen Filtersysteme sehr selten zum Einsatz. Doch je winziger die Partikel, umso tückischer ist der Feinstaub. Die Größenzuordnung unter PM2,5 geht bis PM0,1. Mit dem bloßen Auge ist dann nichts mehr zu erkennen. Und hier beginnt der hochgefährliche Bereich der ultra feinen Partikel, die über die Lungenbläschen hindurch bis in die Blutbahn, in alle Organe und sogar ins Gehirn gelangen. Hier können sie mehrere Jahre verbleiben und verheerende Schäden anrichten – Stichwort Staublunge, Raucherhusten etc. Die MIRA-Studie zeigt deutlich: Es gibt noch viel zu tun, um die Gefahrenquelle Feinstaub sowohl Außen wie Innen deutlich zu entschärfen!

„Die Feinstaubgefahr in Innenräumen wird stark unterschätzt. Die Belastungen übersteigen den Außenbereich durchschnittlich um das 1,5 bis 2-fache, manchmal sind sie sogar 5 Mal so hoch!“
Dr. Friedhelm Schneider, Feinstaubexperte

Dr. Friedhelm Schneider, Feinstaubexperte