Skate Shorttrack - Steven Bradbury

Das Olympia-Märchen des Steven Bradbury

Eisschnelllauf ist eine Sportart, die auf dem Eis mit Schlittschuhen ausgetragen wird. Eine besondere Disziplin dabei ist der sogenannte „Shorttrack“ (Kurzbahn). Beim Shorttrack ist die Bahn kürzer und es zählt nicht die Zeit, sondern die Platzierung, da fünf Läufer direkt gegeneinander antreten. Die Rennen sind sehr spektakulär, da durch die engen Kurvenradien eine besondere Athletik und Technik notwendig sind.

Skate Shorttrack - Steven Bradbury

Skate Shorttrack – Steven Bradbury

Steven Bradbury zählt als Jugendlicher zu den talentiertesten Läufern in Australien. Sein großes Ziel ist der Gewinn der Goldmedaille bei olympischen Spielen. Im Team ist er bereits erfolgreich und gewinnt 1994 Bronze, bei den Olympischen Spielen von Lillehammer. Im Einzelwettbewerb bleibt ihm der Erfolg verwehrt; er zählt zwar zum Favoritenkreis, scheidet aber vorzeitig aus. Bradbury trainiert noch härter für seinen Traum. Jeden Tag verbessert er Technik und feilt an seinem Laufstil. Als er in bester körperlicher Verfassung ist, passiert ein folgenschwerer Unfall. Bei einem Rennen kollidiert er mit einem Gegner. Er stürzt und die scharfe Kufe des gegnerischen Schlittschuhs schlitzt ihm den Oberschenkel auf. Das Blut fließt in Strömen und der schwerverletzte Steven Bradbury kämpft vehement gegen die nahende Bewusstlosigkeit, da er Angst hat, vielleicht nie mehr aufzuwachen. Er verliert vier Liter Blut, sein Oberschenkelmuskel ist zerstört und alle Muskelstränge abgerissen. Mit einer Not-Operation retten ihm die Ärzte das Leben und nähen die Wunde mit über 100 Stichen mühsam zusammen.

Viele Wochen kann er sein Bein überhaupt nicht belasten. Die Rehabilitation ist aufwändig und fast hoffnungslos. Doch mit eiserner Disziplin kämpf er sich zurück und ist nach etwas über 18 Monaten fast wieder der „Alte“. Sein hartes Training ermöglicht es ihm, 1998 bei den Olympischen Spielen in Nagano teilzunehmen. Er bleibt aber ohne Spitzenplatz, da die körperlichen Beeinträchtigungen zu stark sind – er kann mit der Konkurrenz nicht mithalten.

Kurze Zeit später folgt dann der zweite Schicksalsschlag. Steven Bradbury stößt mit einem anderen Läufer zusammen und stürzt erneut. Mit voller Wucht kracht er kopfvoraus in die Bande: Diagnose Bruch des 4. und 5. Halswirbels. Nur mit viel Glück kommt er am Rollstuhl vorbei. Schrauben, Platten und Stifte stabilisieren seinen Rücken, die Ärzte raten dringend zum Ende der Karriere.

Doch im Gegensatz zu den beiden Wirbeln ist sein Wille nicht gebrochen. Er vollbringt ein echtes Wunder, als er sich erneut an die Weltspitze zurückkämpft.

Als Außenseiter reist er 2002 in die USA nach Salt Lake City – seine vielleicht letzte Chance auf eine olympische Medaille. Er ist seinen Konkurrenten aber unterlegen und scheidet im Viertelfinale aus. Da aber ein Läufer disqualifiziert wird, schafft er es ins Halbfinale. Dort liegt er an letzter Stelle bis vor ihm Athleten stürzen und er letztendlich als Zweiter durchs Ziel läuft. Im Finale passiert dann das Unglaubliche. Alle vier Konkurrenten liegen weit vor ihm. In der letzten Kurve vor dem Ziel passiert es. Ein Läufer aus der Spitzengruppe kommt ins Stolpern und reißt alle weiteren Läufer zu Boden. Steven Bradbury braust von hinten heran und fährt als Erster über die Ziellinie. Die Sensation!
Er geht als überraschendster Olympiasieger aller Zeiten in die Geschichte ein.

Steven Bradbury wurde durch sein großes Kämpferherz zum Nationalhelden in Australien. Bis heute gibt es dort die Redewendung „doing a Bradbury“. Dies soll bedeuten, niemals aufzugeben und sich als Außenseiter gegen vermeintlich Stärkere durchzusetzen.

„Ich war mir nicht sicher, ob ich Gold überhaupt verdiene. Nach einigen Minuten war mir klar, ich verdiene sie. Nicht für die 90 Sekunden des Finales. Aber für die 12 Jahre auf dem Weg zu diesem Tag.“

Jetzt als Video: http://www.youtube.com/watch?v=fAADWfJO2qM

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