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Woher kommen die Grenzwerte

Wann immer sich die Gemüter über Schadstoffe in der Luft, Strahlenbelastung durch Mobiltelefone, E-Smog oder Schwermetallbelastung in Lebensmitteln oder in unserem Trinkwasser erhitzen, werden die aufgebrachten und zu Recht besorgten Bürgerinnen und Bürger auf gesetzlich verankerte Grenzwerte hingewiesen, die – welch Wunder – so gut wie nie erreicht werden. Leben wir also in einem Wohlfühl-Paradies oder sind die Grenzwerte das Papier nicht Wert, auf dem sie gedruckt sind? Die EU-Umweltakademie hat am Beispiel Mobilfunk nachgeforscht.

Wie kommen die geltenden Grenzwerte zustande? Die in Deutschland gültigen Grenzwerte für elektromagnetische Felder beruhen auf den Empfehlungen der „Internationalen Kommission zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung” (ICNIRP) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Hintergrund: In den Wissenschaftsgremien der ICNIRP und WHO werten Wissenschaftler Daten aus, um möglichen gesundheitlichen Risiken auf den Grund zu gehen. Auf Basis ihrer Erkenntnisse erarbeitet die ICNIRP ihre Vorschläge für Grenzwerte, die mittlerweile von nahezu allen europäischen Ländern übernommen wurden.

eu-umweltakademieEmpfehlen, aber nicht forschen

Die ICNIRP selbst betreibt keine Forschung. Die Daten, die zur Ermittlung der Grenzwerte herangezogen werden, stammen zum Teil auch noch aus einer Zeit, in der es noch gar keinen Mobilfunk gab. Die Obergrenzen, also die heute gültigen Grenzwerte für den Mobilfunk, wurden aus der natürlich vorkommenden Strahlung der Sonne abgeleitet. Und das wurde so gerechnet: die durchschnittliche Leistung der Sonne liegt in unseren Breiten bei ca. 500 Watt pro m2. Der menschliche Körper hat eine Gesamtfläche von ca. zwei m2, kann aber nur zur Hälfte von der Sonne bestrahlt werden, daraus ergibt sich eine Referenzfläche von einem m2. Da man die negativen Auswirkungen einer Überdosis Sonne kennt (Sonnenbrand), legt man einen Sicherheitsspielraum fest. Der liegt bei zehn Prozent – also 50 Watt pro m2 sollten unbedenklich sein. Und da man seitens der ICNIRP sichere Empfehlungen heraus geben will, werden von diesem Wert nochmal 20 Prozent abgezogen. Das ergibt den aktuell gültigen Grenzwert von maximal zehn Watt pro m2. Handys, Sendemasten etc. dürfen diesen Grenzwert nicht überschreiten.

Niedrigste Werte in Salzburg

Dass es auch anders geht, und mindestens so gut, beweisen z.B. unsere Nachbarn im österreichischen Bundesland Salzburg. Dort wird in ausgewiesenen Gegenden ein Grenzwert vorgegeben, der etwa 10 000-fach unter dem deutschen Grenzwert liegt: 1 mW/m2 – der Wert der Salzburger Resolution. Die Mobilfunkversorgung ist dort einwandfrei. Sogar in Italien wurden bereits 1999 schärfere Grenzwerte eingeführt. Dort gilt: Für Gebäude, in denen sich Menschen mehr als vier Stunden pro Tag aufhalten, darf der Grenzwert von 100 mW/m2 nicht überschritten werden. Gleiches gilt auch in der Schweiz, Russland und China, die mit einem Hundertstel des deutschen Grenzwerts auch noch hervorragend telefonieren können.

Die deutschen Strahlenschützer haben dafür eine besonders feinfühlige Messmethode, Grenzwerte zu überprüfen! Zuerst machte man das mit der entsprechenden Biomasse im „Reagenzglas”, später an Leichen. Wenn sich die Temperatur der Leiche nach einem Sechsminutengespräch nicht um mehr als 0,5 Grad C erwärmte, war es für die Leiche ungefährlich. Dann werden die Mittelwerte herangezogen und Grenzwerte niedergeschrieben. Da Mobilfunk aber nach dem Prinzip der Zeitschlitzmodulation funktioniert, und es um gepulste Wellen geht, die Spitzenwerte erzeugen, die um das tausendfache höher sind als die Mittelwerte, ist den Strahlenschützern nicht der Rede wert. Dass Spitzenwerte gefährlicher sein können als Mittelwerte ist aber offensichtlich. Man weiß, ca. 100 mg Arsen sind für den Menschen bereits tödlich. Wird diese Menge über Jahrzehnte verteilt, passiert dem Menschen nichts. Eine einmalige Dosis jedoch bedeutet den Tod. Soviel zum Thema Mittelwert. Eine Glühbirne mit 20 Watt ist harmlos, ein Stroboskop mit der gleichen Leistung, ist in der Lage, einen epileptischen Anfall auszulösen. Warum? Es kommt zu Spitzenwerten von bis zu 20 000 Watt. Im Mittel bleiben es dennoch lediglich 2o Watt!

Fazit: Die heute gültigen Grenzewerte im Mobilfunkbereich sind das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt sind.

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