Feinstaub in der Lunge - Illustration

Ist Feinstaub ein Krankheitsverursacher?

Umweltmessstationen stehen – häufig in der Nähe von großen Straßen mit hohem Verkehrsaufkommen

Seit einiger Zeit gehäuft in vielen deutschen Städten, um die Feinstaubbelastung zu messen.

In den letzten Jahren ist eine Diskussion darüber entbrannt, inwieweit dieser Feinstaub unserer Gesundheit schadet. Epidemiologen gehen mittlerweile davon aus, dass ein direkter Zusammenhang zwischen den winzigen Partikeln und beispielsweise Atemwegsbeschwerden oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen besteht. Weiterhin ist es vorstellbar, dass auch diverse Allergien oder gar neurologische Krankheiten wie Parkinson oder Alzheimer daher rühren. Zudem mehren sich die Anzeichen, dass Feinstaub sogar Nierenerkrankungen und Diabetes auslöst und darüber hinaus ein zu geringes Geburtsgewicht bei Neugeborenen fördert.

Aus genannten Anhaltspunkten sah sich die EU-Kommission dazu berufen, eine sogenannte Luftqualitätsrichtlinie einzuführen, die seit dem Jahr 2005 Gültigkeit besitzt. Dies führte dazu, dass in vielen deutschen Städten Umweltzonen eingerichtet wurden, die Fahrzeuge mit zu hohem Partikelaustoß fernhalten sollen.

Nach wie vor ist die genaue Gefahr, die von Feinstaub ausgeht, nicht hinreichend erforscht. Mediziner sind immer noch dabei, Experimente mit Zellkulturen und Tieren sowie klinische Studien auszuwerten und die Statistiken der Epidemiologen richtig zu interpretieren. Erst ganz zum Schluss können sie dann einen genaues Bild hinsichtlich der wahren Gesundheitsrisiken von Feinstaub malen.

Um die Risiken richtig einzuschätzen, greifen Mediziner hauptsächlich auf die von Epidemiologen erhobenen Daten zurück. Deren Aufgabe besteht vor allem darin, Zusammenhänge zwischen der Menge an Feinstaub in der Luft und häufigen Krankheitsbildern in der Bevölkerung aufzudecken. So entstehen Statistiken, die repräsentativ sind und der Realität sehr nahe kommen. Auf der anderen Seite aber haben Statistiken auch ein nicht unerhebliches Problem: Sie zeigen nur Beziehungen auf, aber nicht, wie diese miteinander korrelieren.

Da auch Epidemiologen mit dem Prinzip von Ursache und Wirkung vertraut sind, verweisen sie stets auf den hypothetischen Charakter ihrer Aussagen. Lediglich bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben sie sich festgelegt, da nach Auswertung diverser Studien mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden kann, dass diese auf direkte Weise mit Feinstaub zusammenhängen.

IndustriegeländeExperimente mit Tieren ließen den Schluss zu, dass der Körper unmittelbar auf die feinen Partikel reagiert, die nicht nur in die Lungenbläschen gelangen können, sondern sogar ihren Weg bis ins Blut finden. In der Lunge wirken sie auf diejenigen Rezeptoren, die für das Gleichgewicht im vegetativen Nervensystem verantwortlich sind. Ein weiteres Problem bereitet die Tatsache, dass die Lunge versucht, die Fremdpartikel mit Hilfe einer entzündlichen Reaktion abzustoßen. Entzündungen aber belasten den kompletten Organismus: Das Blut gerinnt schneller, die Gefäße weiten und verengen sich unkontrolliert und als Folge steigt schließlich der Blutdruck. Eine weitere Konsequenz der mangelhaften Durchblutung kann womöglich das geringere Geburtsgewicht von Neugeborenen in stark feinstaubbelasteten Gebieten sein. Dies lässt sich zur Zeit jedoch noch nicht belegen.

Gelangen die Mikropartikel in den Körper, rufen sie eine unmittelbare Reaktion der betroffenen Organe hervor. Dies lässt sich zweifelsfrei aus Versuchen mit Tieren folgern. Vor allem in der Leber kann man eine stärkere Aktivität beobachten. Da Feinstaub sogar bis in das Gehirn eindringen kann – häufig über die Riechzellen durch das Einatmen der Luft – könnte man durch dessen Einfluss möglicherweise auch neurologische Schäden erklären.

Ebenfalls hypothetischer Natur ist die Annahme, dass auch Nierenerkrankungen und Diabetes auf die entzündlichen Reaktionen der im Körper befindlichen Feinstaubpartikel zurückzuführen sind.

Allerdings muss an dieser Stelle auch erwähnt werden, dass alle beschriebenen Krankheiten nicht nur durch Feinstaub von Autos ausgelöst werden, sondern auch durch Emissionen von Kraftwerken oder Zigarettenrauch hervorgerufen werden können. In unserem Alltag begegnen wir also diversen Partikelquellen. Die Emissionen von Autos machen dabei sogar einen relativ kleinen Anteil aus.

Um das wirkliche Ausmaß von Feinstaub zu erfassen, müsste man einen Menschen erschaffen, der keine Vorerkrankungen oder andere potenzielle Risiken in sich trägt, was natürlich schlicht unmöglich ist. Sicher ist nur, dass bereits vorbelastete Patienten deutlich stärker auf die Mikropartikel reagieren als gesunde. Ob es aber je dazu kommt, den Feinstaub als Krankheitsursache zu deklarieren, ist höchst fraglich.

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