Katecholamine

Elektrosmog und die Folgen: die Rimbach-Studie

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Immer mehr wissenschaftliche Studien belegen, dass Elektrosmog durch elektromagnetische Wellen weitreichende Folgen für die Gesundheit hat, besonders bei Menschen mit ausgeprägter Elektrosensibilität. Elektromagnetische Felder von elektrischen Anlagen, Kommunikationsfunk, Sendeanlagen und Elektrogeräten können immer häufiger in ihren Langzeitrisiken durchschaut werden. Ein Beispiel für eine solche Untersuchung ist die Rimbach-Studie.

Der Anfang: ein neuer Sendemast für Rimbach

Im Rahmen dieser Studie wurden die Auswirkungen eines neuen Sendemastes auf die Anwohnerinnen und Anwohner der Stadt Rimbach (Bayern) untersucht. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Zeitschrift Umwelt / Medizin / Gesellschaft 1/2011 veröffentlicht. Durchgeführt haben dieses Forschungsprojekt Professor Klaus Buchner und Dr. Horst Eger. Das Projekt war als Langzeituntersuchung angelegt: Über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren wurden 60 Probanden beobachtet. Die Frage lautete: Welche Auswirkungen hat die Installation der Mobilfunksendeanlage auf die Teilnehmer? Beobachtet wurden einschneidende Veränderungen im sogenannten adrenergen System vieler Probanden. Das adrenerge System umfasst diejenigen Nervenzellen, deren Transmitterstoff Adrenalin oder Noradrenalin ist. Betroffen sind also vor allem die sogenannten Katecholamine, genauer: die Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin. Auch das PEA (Phenylethylamin) wurde durch die Einwirkung der elektromagnetischen Felder verändert.

Die wichtigsten Katecholamine: Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin

Diese Stoffe sind Neurotransmitter und Hormone zugleich, also biochemische Botenstoffe mit zweierlei Sinn. Als Neurotransmitter leisten sie einen Beitrag zum Informationsaustausch der Nervenzellen des Zentralnervensystems, indem sie die Erregung der Nervenzelle auf andere Zellen übertragen. Auf zweiter Ebene erreichen sie bestimmte Wirkungen und Regulierungen in den Zellen der Organe. Die drei Neurotransmitter bzw. Hormone gehören zum Katecholaminsystem, einem Teil unseres Stresssystems. Bei körperlicher oder seelischer Belastung kann es angeregt werden.

Phenylethylamin (PEA)

Phenylethylamin (PEA) wird aus einer essenziellen Aminosäure gebildet, nämlich Phenylalanin. Die genaue Wirkweise von PEA ist noch nicht abschließend erforscht. Allerdings weiß man, dass dieser Stoff für psychische Krankheiten von Bedeutung ist. So ist der PEA-Wert bei Depressionen vermindert. Wenn eine Depression in eine manische Phase übergeht, steigt der PEA-Wert. Bei ADS und ADHS ist er stark reduziert.

Die Wirkungen der Sendeanlage auf die Probanden

Beobachtet wurde ein bedeutsamer Anstieg der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin innerhalb des ersten halben Jahres nach der Installation des Senders, außerdem ein Abfall der Werte des Dopamins. Auch bei Abschluss der Langzeitstudie wurden die ursprünglichen Werte nicht wieder erreicht. Das beobachtete Absinken der Phenylethylamin-Werte (PEA) legt eine chronische, also nicht regulierbare Beeinträchtigung im Stresshaushalt nahe. Es hat sich gezeigt, dass zwischen Dosierung der Strahlenbelastung und dem Effekt auf den Hormonhaushalt ein Zusammenhang besteht. Probleme im System der Katecholamine bringen über längere Zeiträume Schäden an der Gesundheit mit sich. Die Ergebnisse dieser Studie können als Erklärung dafür gelten, dass Erkrankungen wie Depressionen oder ADS und ADHS immer häufiger auftreten.

Wie wurde die Rimbach-Studie durchgeführt?

Im Frühling des Jahres 2004 wurde in dem bayerischen Ort Rimbach ein Sendemast für den Mobilfunk installiert. Kurz vorher wurden 27 männliche und 33 weibliche Teilnehmer zwischen 2 und 68 Jahren untersucht. Durch eine Urinuntersuchung wurden die Werte von Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin und Phenylethylamin (PEA) ermittelt. Diese Untersuchung wurde im Juli 2004, Januar 2005 und Juli 2005 wiederholt, um die Entwicklung der Werte unter Einfluss des Sendemastes zu erfassen. Mit Ausnahme eines Kindes litten die Probanden nicht unter Elektrosensibilität. Es wurde von den Wissenschaftlern berücksichtigt, ob die Teilnehmer zuhause einer Strahlenbelastung durch Elektrosmog ausgesetzt waren, z. B. durch Schnurlosetelefone (DECT), WLAN oder Bluetooth. Diejenigen Geräte, die über Nacht ausgeschaltet wurden, fanden keine Berücksichtigung. Auch wurde vorher ermittelt, ob die Probanden unter chronischen Erkrankungen litten oder in ihrem Befinden beeinträchtigt waren. Der höchste Wert der Leistungsflussdichte war bei allen Rimbacher Teilnehmern im Durchschnitt 76,9 µW/m2.

Wie sehen die genauen Ergebnisse der Rimbach-Studie aus?

  • Adrenalin und Noradrenalin: Das Adrenalin stieg bei den Teilnehmern bis Juli 2004 stark an, dann verminderte es sich wieder. Diese Minderung war bei denjenigen Probanden verlangsamt, die einer Belastung mit Elektrosmog von über 100 µW/m2 ausgesetzt waren. Das Ansteigen des Wertes fiel bei denjenigen Teilnehmern, die am wenigsten bestrahlt waren, am kleinsten aus. Bei den Teilnehmern mit Kommunikationsfunk in der eigenen Wohnung (WLAN, Schnurlostelefon etc.) war die Reaktion am größten. Kinder und kranke Menschen zeigten einen besonders ausgeprägten Effekt. Gesunde Menschen im Erwachsenenalter hatten mit wenigen Ausnahmen keine Reaktionen in diesem Bereich. Bei Noradrenalin verhält es sich ähnlich wie bei Adrenalin.
  • Dopamin: Die Untersuchung des Dopamin-Wertes führte zu umgekehrten Ergebnissen. Dieser nahm bis Juli 2004 massiv ab. Dann erfolgte ein Anstieg, wobei der ursprüngliche Wert nicht wieder erreicht wurde. Man kann beobachten: je höher die Dosis, desto höher der Effekt.
  • PEA (Phenylethylamin): Diese Werte zeigten eine langsamere Reaktion auf die Strahlung als die oben genannten Stoffe. Lediglich bei einem Elektrosmog von über 100µW/m2 nahmen die Werte schon bis Juli 2004 ab. Nach diesem Zeitpunkt zeigte sich kein Unterschied mehr bei verschiedenen Leistungsflussdichten. Zwischen der Messung im Juli 2004 und Juli 2005 fielen die PEA-Messungen massiv ab. Wurde die Strahlung noch durch Kommunikationsfunk in der eigenen Wohnung intensiviert, fielen die Werte schneller ab. Diejenigen Teilnehmer ohne häusliche Funkanalgen (WLAN, Schnurlostelefon etc.) reagierten mit einem langsameren Abfall des Wertes, der aber später ebenso niedrig war wie bei den anderen.

Die Rimbach-Studie in der Diskussion

Die Rimbach-Studie hat bereits prominente Kommentatoren gefunden. Auch im Umweltausschuss des Europarates wurde darüber diskutiert, so z. B. vonseiten des Berichterstatters Jean Huss, der in Luxemburg zu den Grünen gehört. Er hebt positiv hervor, dass hier über einen längeren Zeitraum die Werte u. a. bestimmter Stresshormone gemessen wurden. Den Anstieg von Noradrenalin und Adrenalin und den Abfall von Phenylethylamin und Dopamin wertet er als bedeutsames Zeichen dafür, dass sich ein chronischer Stress für die Betroffenen ergibt. So führt er die Störungen der Aufmerksamkeit und die Hyperaktivität (ADS, ADHS) von Kindern auf dieses Phänomen zurück. Gleichzeitig erinnert er daran, dass diese Probleme in Deutschland seit 1990 stark zugenommen haben.

 

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