Eigenblutbehandlung

Eigenblutbehandlung: Therapie oder Doping?

Therapeuten die Eigenblutbehandlungen anbieten, kommen spätestens seit den Dopingskandalen im Radsport fast in Erklärungsnot wenn sie mit aufbereiteten Blutkonserven arbeiten. Lesen Sie, wie nahe das „Gute” und das „Böse” bei ein und dem selben Verfahren beieinander liegen.

Zuerst wird das Blut entnommen. Dann wird es aufbereitet und später als Heilmittel meist in die Gesäßmuskulatur injiziert.

Zuerst wird das Blut entnommen. Dann wird es aufbereitet
und später als Heilmittel meist in die Gesäßmuskulatur
injiziert.

In jüngster Zeit ist die „Eigenblutbehandlung” vor allem durch den Missbrauch im Radsport in die Schlagzeilen geraten. Wenngleich die Eigenbluttherapie, von der wir sprechen nicht viel mit Blutdoping zu tun hat, ist der Weg des Blutes dennoch der gleiche. Für die Eigenbluttherapie wird Blut aus der Armvene entnommen. Im einfachsten Fall wird dieses Blut dann sofort in die Gefäßmuskulatur des Patienten wieder injiziert. Diese Art der Eigenblutbehandlung nennt man „unspezifische Reiz- oder Umstimmungstherapie”. Ähnlich wie bei kalten Güssen oder Saunabesuchen, soll diese Art der Behandlung den Körper dazu veranlassen, seine Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Ein durchaus logischer und nachvollziehbarer Gedanke: Der Körper wird an einer beliebigen Stelle durch das Blut (und seinen ganz individuellen Substanzen) gereizt. Das Immunsystem des Menschen wird nun auf einer körperlichen Ebene mit sich selbst konfrontiert. Man könnte hier von einer Art „Psychotherapie” für den Blutkreislauf und das Immunsystem sprechen. Die Konfrontation mit sich selbst, seinen Stärken und Schwächen, vor allem aber mit seinem eigenen „Müll”, kann den Menschen an seine Grenzen bringen.

Womit wir wieder an den Grenzen der menschlichen Leistungsfähigkeit angelangt wären. Diese wollen vor allem die Hochleistungssportler immer mehr erweitern, sie wollen einfach mehr aus ihrem Körper heraus holen. Das ist der Grund, warum sie ihr Blut im Labor „aufbereiten” lassen. Dass sich mit und durch das Blut viel bewegen lässt wusste auch schon Goethe, der nicht um sonst das Blut einen ganz besonderen Saft nannte. Wird das Blut nun auf verschiedene Arten aufbereitet, kann man sich berechtigte Hoffnungen auf eine Verbesserung des Allgemeinbefindens und einer Stärkung des Immunsystems machen. Beim sogenannten Blutdoping besteht das Ziel darin, die Hämoglobinkonzentration, sprich die Zahl der roten Blutkörperchen im Blut zu erhöhen. Durch die höhere Hämoglobinkonzentrationen kann mehr Sauerstoff mit dem Blut in die Muskulatur transportiert werden, was zu einer Steigerung der Ausdauerleistung führt, womit wir dieses Thema beiseite legen können und uns nun ganz dem therapeutischen Teil der Eigenblutbehandlung widmen wollen.

Verschiedene Methoden

Bei der Eigenblutbehandlung gibt es unterschiedliche Vorgehensweisen. Neben der Eingangs geschilderten Variante, bei der das Blut direkt, ohne Behandlung wieder eingespritzt wird gibt es komplexere Variationen. Hier kommen zwischen Entnahme des Blutes und Injektion unterschiedliche Behandlungsschritte zum Tragen. So kann das Blut z.B. mit Sauerstoff oder Ozon bearbeitet werden. Andere Möglichkeiten bestehen darin, dem Blut pflanzliche oder gar homöopathische Mittel zuzugeben oder das Blut selbst nach den Vorschriften des Homöopathischen Arzneimittelbuches zu potenzieren, bevor es wieder in den Körper injiziert wird.

Hier hilft die Eigenblutbehandlung

Generell wird durch Eigenblutbehandlung eine Stärkung der Immunabwehr angestrebt. Im günstigsten Fall wird durch die Injektion von Eigenblut (ob behandelt oder nicht), das Immunsystem aktiviert und dazu aufgefordert, gegen die „körperfremden” Eindringlinge wie Viren oder Bakterien vorzugehen. Eine weitere Indikation sieht man in der Verbesserung der Fließfähigkeit des Blutes.

Aus wissenschaftlicher Sicht steht die Eigenblutbehandlung auf schwachen Beinen. Die Wirksamkeit konnte bisher noch nicht durch wissenschaftliche Untersuchungen nachgewiesen werden. Dem gebenüber stehen jedoch positive Anwenderberichte, deren Leiden sich nach einer Eigenbluttherapie erheblich gebessert haben sollen. Wie sooft werden Außenseitertherapien an Maßstäben gemessen, die sich in wissenschaftlichen Versuchsreihen nicht verifizieren lassen. Der ganzen Methode die Wirksamkeit abzusprechen, nur weil die geeigneten Messverfahren noch nicht erfunden bzw. dafür anerkannt wurden, ginge jedoch zu weit. Für die meisten Krankenkassen (allen voran die Gesundheitskasse) ist dies jedoch Grund genug, die Kosten für die Eigenblutbehandlung nicht zu übernehmen. Dennoch gibt es auch innovativere Gesundheitskassen, die ihr Geld für das ausgeben was hilft und nicht dafür, was helfen darf. Tipp: Es lohnt sich immer, die Leistungen der einzelnen Kassen auf die „Außenseitermethoden” hin zu hinterfragen.

Die Eigenblutbehandlung wird in der Regel von Ärzten und Heilpraktikern durchgeführt. Eine Behandlungsserie umfasst meist zehn oder mehr Sitzungen. Die Anwendungsgebiete sind Allergien, Migräne, bakterielle Infektionskrankheiten, chronische Schmerzen, Atemwegserkrankungen, Schlafstörungen und innerliche Entzündungskrankheiten.

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